Dryhead-Achate

Dieser Artikel zu Fundort, Vorkommen und Geschichte der Dryhead-Achate ist ein Auszug eines Vortrags unseres Mitglieds Kurt Klaus, der von ihm auf einer unserer Arbeitstagungen gehalten wurde

Zahlreiche Fotos von Dryhead-Achaten gibt es in unserer Bildergalerie!

Lage der Fundstelle

Die Fundstelle für Dryhead-Achate liegt im Grenzgebiet Montana - Wyoming, jedoch eindeutig auf dem Gebiet des Bundesstaates Montana. Sie ist nur von Wyoming aus einigermaßen bequem zu erreichenund befindet sich im Süden des Crow-Indianer-Reservats oberhalb der Felsschluchten des Bighorn-Rivers.

Von Lovell in Wyoming aus führt die Staatsstraße Nr. 37 in nördlicher Richtung in die Bighorn Canyon National Recreation Area. Nach 14 Meilen (ca. 22 km) endet die befestigte Straße bei Barry‘s Landing. Etwa eine halbe Meile zuvor zweigt eine kleinere unbefestigte Straße linkerhand ab, der man nun für weitere 10 Meilen (ca. 16 km) leicht ansteigend folgt.

Bei Trockenheit ist der Weg mit allradgetriebenen Geländewagen gut zu befahren. Bei Regen verwandelt sich die Oberfläche schnell in ein sehr glitschiges und klebriges Terrain, das eine Befahrung nicht mehr zulässt. Durch eine hügelige Landschaft mit kleinen grünen grasähnlichen Büschen erreicht man ein relativ trockenes Plateau. Das Plateau wird durch die Pryor Mountains in westlicher und die Bighorn Mountains in östlicher Richtung begrenzt. Man hat nun die Hauptfundstelle erreicht, eine sehr einsame und unwirtliche, jedoch sehr schöne Landschaft.

Der Name der Achate

Der Name der Achate leitet sich von einer besonderen Jagdsitte der indianischen Ureinwohner ab. Sie trieben Bisons zu einer nahen Klippe und verarbeiteten die getöteten Tiere an Ort und Stelle. Die Schädel der Tiere schichteten sie feierlich am Rande der Klippe auf, wo sie auch noch Jahre später zu sehen waren und diesem Gebiet den Namen "The Dryhead" ("trockener Schädel") gaben. In amerikanischen Sammlerkreisen ist der Name "Dryhead"-Achat eingeführt und weit verbreitet.

Geschichte der Dryhead-Achate

Infolge des äußerst schwierigen Zuganges und der extremen klimatischen Bedingungen kamen die ersten weißen Siedler erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in das "Dryhead"-County. Bis dahin lebten dort ausschließlich Indianer. Trotz einer Vielzahl von geborgenen Pfeilspitzen konnte man bisher noch keine aus Dryhead-Achat entdecken.

Die sammlerische Geschichte der Dryhead-Achate beginnt erst um das Jahr 1951. Der bekannte amerikanische Sammler und Händler Wayne R. Breitweiser erfuhr von einem Sammlerfreund und von im Grenzgebiet Montana/Wyoming ansässigen Ranchern von fein gebänderten Festungsachaten in schönen Pastellfarben, die irgendwo an den Klippen des Bighorn-Canyons gefunden sein sollten. Trotz intensiver Nachsuche gelang es Breitweiser erst 1957, ähnliche Achate zu finden, allerdings im Bereich des Bighorns, der zu Wyoming gehört.

1961 bearbeiteten Earl Morrow und Gene Frates zwei Monate lang an den Wochenenden den ersten Claim. Danach fiel das Vorkommen wieder in den Dornröschenschlaf.

Erst 1970 mit dem Bau der 25 Meilen langen Zugangsstraße in das Bighorn-Erholungsgebiet durch den amerikanischen Nationalparkservice wurde auch die Dryhead-Achatfundstelle erschlossen.

1975 erwarben Morrow und Frates einen Bagger zur Achatgewinnung. In zwei großen Schürfen wurde nun das interessante Gebiet bearbeitet. Zeitweise existierten bis zu 50 Claims für den Achatabbau.

1980 wurde das Ehepaar Mike und Jan Daggett neuer Pächter. Sie betrieben den kommerziellen Abbau der Dryhead-Achate sowie deren Verarbeitung und Vermarktung. In dieser Zeit war es auch Mineraliensammlern gegen eine Gebühr von $ 25 erlaubt, in den dafür vorgesehenen Bereichen nach Achaten zu graben. Die in dieser Zeit gemachten Funde wurden weder vorher noch nachher erreicht.

Die nächsten Pächter waren Jim Suehr und Ralph Bishop. Suehr war pensionierter Soldat, sein Partner Bishop begeisteter Achatsammler. Von beiden erwarb 1993 Mark Boche den Claim und bearbeitete ihn intensiv 6 Jahre lang. Infolge sinkender Erträge verkaufte Boche den Claim 1999 an einen Mann aus Lovell in Wyoming. Seitdem ruht der Abbau.

Gerüchten zufolge soll das Gebiet in das Nationalparksystem eingegliedert werden. Dies scheint somit das Ende des Vorkommens zu sein.

Geologie

Das Gebiet war einmal ein seichtes Meer, das massive Schichten Kalkstein und Schiefer bildete. Nach Dagget (1980) bilden den Grundstock des Gebietes bis zu 180 m starke und etwa 300 Millionen Jahre alte vielfarbige Kalkgesteinsschichten der Madison-Formation. Darüber lagern bis zu einer Mächtigkeit von 80 m Schiefer der Amsden-Formation, die ihrerseits wieder von harten grünlichen Kalken der etwa 200 Millionen Jahre alten Embar-Formation überlagert sind.

Diese an der Fundstelle am Grund der Schürfe anzutreffende Schicht ist etwa alle 6 bis 13 m bis zu einer Höhe von 1,5 m gefaltet. Über ihr finden sich die Achate in einer etwa 0,5 m mächtigen, sehr weichen, manchmal pulvrigen Schicht aus Schlammstein und Tonschiefer.

Vorkommen, Abbau und Qualitäten

In der pulvrigen Schicht fanden sich die Achate manchmal in Nestern. Ältere Achatsammler, die die Fundstelle bearbeitet haben, berichteten von Pockets, in denen bemerkenswerte Ansammlungen von Achatmandeln angetroffen wurden.

Lediglich 20 % des Rohmaterial bot die Chance auf qualitativ gute, sammelwürdige Achate. Davon ergeben rund die Hälfte eine sehr gute Qualität und lediglich 2 % des Gesamtmaterials stellen Spitzenstücke dar.



Aus "The Beauty of Banded Agates" (s.u.)

Die oberflächennah abgebauten Achate weisen die meisten Sprünge auf. Ursache hierfür sind die extrem hohen Temperaturunterschiede. Es wird jedoch auch vermutet, dass die Frakturen aus den intensiven tektonischen Ereignissen in diesem Gebiet resultieren.

Die flächenmäßige Ausdehnung der achatführenden Schicht wird auf mehrere Quadratkilometer geschätzt. Die oberflächennahen Schichten sind jedoch stark begrenzt und größtenteils abgebaut. Die noch unbearbeiteten Schichten streichen steil in die Tiefe. Ein Abbau mit herkömmlichen Mitteln erscheint nicht mehr rentabel.

Ausbildung der Achate

Die Dryhead-Achate beziehen ihre Schönheit und Einmaligkeit von ihrer Farbenvielfalt, einem mitunter extremen Farbkontrast und lebhaften, sehr scharfen Festungszeichnungen.

Häufig vorkommende Farbtöne sind Braun (in vielen Farbvarianten) und weiß. Zu den gesuchten selteneren Farben gehören rosa, gelb, orange, rot, grau und violett. Extrem selten sind leicht grünliche und schwarze Bänderungen.

Manchmal werden Achate mit ausgeprägter Trümmerachat-Struktur beobachtet, die mit einer Calcit-Quarzmasse wieder verheilt sind. Der abrupte und kontrastreiche Wechsel von farbigen Achatlagen und farblosen kristallinen Quarzbändern ist reizvoll.

Bei den "Dryhead"-Achaten gibt es einen Mangel an Schattenbildungen ("Wegeler"-Effekt), Moos- und Sagenitbildungen sowie Pseudomorphosen. Auf das häufigere Auftreten sogenannter "Bullenaugen"-Zeichnungen wird hingewiesen.

Größere Achate enthalten meist in ihrem Zentrum Hohlräume mit Quarzkristallen, auch als Rauchquarz und Amethyst vorkommend. Häufig sind die Hohlräume mit Calcit ausgefüllt.

Literatur


Von unserem Mitglied Kurt Klaus

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